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031 Bar Tausend

Die Bauherren betreiben seit Jahren in Berlin sehr erfolgreich einen Club, ein Cafe sowie einen Imbiss unter dem Label „103“. Das „103“ ist eine Berliner Nachtlebengeschichte: Begonnen hat sie als temporärer und weiterziehender Club, der mit geringen Mitteln das Image des Berliner Nachtlebens prägte. Mit dem steigenden Alter der Betreiber und deren Stammpublikum, ergab sich der Wunsch nach einem entsprechend angemessenen Ort. Vor 3 Jahren wurden interessante Räume in Nähe der Friedrichstrasse gefunden.

Im Fuß des S-Bahnhofes Friedrichstrasse, am Schiffbauerdamm liegen mehrere S-Bahnbogen ähnliche Räume, die keinerlei Aussenbezug haben, eine abgeschlossene vielfältige Innenwelt bieten. An diesem Ort schien eine Großstadt-Bar möglich. Mittendrin, aber doch versteckt. Kein weiterer Club, kein monokulturelles Publikum, sondern ein gemischtes großstädtisches Publikum, eine Bar in der getrunken wird bis man vielleicht tanzen muss. Kein Ort, der schnelllebig totgefeiert wird, sondern ein Bar-Klassiker im Jahr 2007, den man gerne noch 2017 besucht.

Das architektonische Konzept lebt von der Konzentration. Der größte Raum, der Barraum ist ein zentraler Raum, ein Saal, der komplett ausgekleidet wird und immer orientierungsgebender Schwerpunkt ist, um den sich die restlichen Nutzungen wie Hinterzimmer, Eingang, Garderobe und Bühne in weiteren Räumen gruppieren. Man betritt den Barraum über eine Stufe, die ein umlaufendes Podest und eine Mitte im Raum bildet. Längsseitig bestimmen Bartresen und klassische Sitznischen den Raum. An dessen Ende findet sich eine überdimensionale Leuchte.

Die Rolle und Notwendigkeit des Künstlichen (Kunstlicht) im Nachtleben wird überhöht und zum alles bestimmenden Element. Sie ist magisches Objekt, bestimmt den Charakter des gesamten Raumes und schafft wechselnde Lichtatmosphären. Während die Tiefe der Leuchte nicht fassbar ist, wird die Lichtquelle selbst zum Raum hin verchromt und spiegelt den Barraum und das Geschehen wieder. Durch die Steuerbarkeit der Leuchte erhält der Raum sehr unterschiedliche Stimmungen, von schummrigem Barlicht bis hin zu stroboskopähnlichem Clublicht, lässt er sich durch die Spiegelungen komplett unterschiedlich einfärben. Sie scheint die einzige Lichtquelle zu sein. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die komplett verspiegelte Decke, die erstens das Licht in den Raum reflektiert, sowie in ihrer gebrochenen Geometrie Licht, Gläser und Flaschen aus verschiedensten Perspektiven spiegelt. Es entsteht ein atmosphärisches Zerrbild als Deckengemälde. Der Raum wirkt als Ganzes als Reflektor des mysthischen Lichtobjekts und des nächtlichen Treibens im Raum. Weitere spiegelnde Glasflächen als Wandbekleidung lösen die Hermetik des Raums auf. Er erweitert sich in die Breite, immer wieder spiegeln sich reflektierende Gestalten, Punkte im Raum. Wie im Theater tauchen Darsteller auf und verschwinden wieder im Nichts.

Den spiegelnden Materialien aus verchromten Aluminiumblechen und Glasbekleidungen der Wände werden haptische und warme Materialien wie geräuchertes Eichenholz (Dielenboden, Bartresen), grob gewebter Wollstoff (Polsterbezüge) und Filz (Vorhänge) entgegengesetzt. Alle berührbaren Oberflächen sind nach diesen haptischen Kriterien gewählt. Die dunklen warmen Farbtöne führen durch die Spiegelungen und Lichtreflektionen zu einer insgesamt materialbestimmten Atmosphäre. Es spiegelt sich nur das, was da ist. Die verschiedenen Positionen im Raum bieten immer wieder unterschiedliche Raumeindrücke, mal spiegeln sich die hinterleuchteten Spirituosen als bunte Lichter in der Decke, mal wirken die Gäste wie Silhouetten vor der Leuchte.

ROBERTNEUN™ Baecker Buschmann Friedrich Architektenpartnerschaft

Adresse: Kastanienallee 49, 10119 Berlin
Bauherr: 103 Entertainment GmbH & Co KG
Nutzfläche: 600,00 m2
Bruttorauminhalt: 2.400,00 m3
Leistungsphasen: 1-9
Planung: 02/2009
Fertigstellung: 09/2009
Mitarbeiter: Simone Skiba, Markus Theel
Fotos: Annette Kisling