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078 Atelierhaus

Der Block an der Chausseestraße 36 wird ein neues Zuhause für unterschiedliche urbane Arbeits- Freizeit- und Wohnformen. Neben der erforderlichen Sanierung der ehemaligen Mietskaserne, sind die Dachaufstockung und ein neues Haus für Ausstellungen und Veranstaltungen im Hof Bestandteil der Konversion. Um Raum für das kulturelle Programm zu machen, komplementiert ein neuer Quader, das Vorderhaus mit zwei Seitenflügeln zum einem Geviert.

Betreffs Zugang, innerer Erschließung und Layout richtet sich die Logistik des gesamten Komplexes im wesentlichem nach den existierenden Bedingungen und funktionalen Verknüpfungswünschen. Durch strategisch positionierte Treppen und Zugängen profitieren die öffentlichen Funktionen im Alt- und Neubau von ihrem Miteinander und sind zugleich aus operativen Gründen autonom erschlossen.

Das kompakte Atelierhaus wird durch ein abgesenktes Geschoss mit Ausstellungsqualitäten und eine Dachterrasse definiert. Vier Ateliers überspannen als Röhren jeweils den gesamten Kubus und formen einen differenzierten Deckenspiegel des mehrfach nutzbaren Galerieraumes.

Der flachen, breiten Treppe als Auftakt kommt als Tribüne eine Doppelbedeutung zu. Sowohl der abgesenkte Raum, als auch das darüber liegende Atelier können damit als Bühne genutzt werden. Vis-à-vis erschließt eine schmale zweiläufige Treppe die beiden Zwischenniveaus und verknüpft sie mit den Geschossen des Seitenflügels. Eine Außentreppe stärkt die Unabhängigkeit der von außen erschlossenen Atelierebenen und bildet einen direkten kontrollierbaren Zugang zum Dach.

Die Ausstellungswände, die für ein breites Spektrum an Formaten aufgrund der unterschiedlichen Höhen ausgelegt sind, bleiben aus ästhetisch-funktionalen Gründen völlig frei von Öffnungen. Zugunsten einer hohen Lichtqualität wird natürliches, indirektes Licht über die direkt belichteten Ateliers auf die weißen Flächen gelenkt. Alle Raumeinheiten können nebeneinander, in Abgrenzung oder Überlagerung bespielt werden, um alternierende Raumsequenzen mit einfachen Mitteln zu ermöglich. Begrenzungen aus Glas, Gipskarton oder akustischen Vorhängen bestimmen den Grad und Intensität des Austausches zwischen den Funktionen und machen den Betreiber zum Architekten seines eigenen Hauses.

Gleiches gilt für die sich begegnenden Erschließungswege, die jeweils mit einem Einschnitt im Hof beginnen. Je nach ‚Schaltkreis’ werden verschieden Räume in unterschiedlichen Abfolgen erlebbar und somit eine festgeschrieben Chronologie vermieden. Durch typologisches Anleihen von Atelier, Club-, Galerie- und Theaterlayouts entsteht ein Ort der aufgrund seines eigenständigen Raumplans nicht nur die Adressbildung des gesamtes Blocks fördert, sondern seine Nutzer über das konventionelle Nutzungspotential hinaus zum Experimentieren einlädt.

Adresse: Hinter der Chausseestraße 36, 10115 Berlin
Bauherr: Privat
Programm : Ateliers, Austellung, Büro, Eventfläche
Größe: 520 m2
Leistungsphasen: 1-4
Planung: 02/2012
Projektteam: Tobias Bamberg, Ole Hallier, Jan Leisse,
Tragwerksplanung: Bollinger und Grohmann GmbH
Haustechnik und Elektro: B&S Baupartner GmbH
Brandschutz: Hofmann Architekten
Vermessungsingenieur: Dipl.-Ing. Sten Höpfner