<

102 Malplaquetstraße

Die Baulücke 19 der Malpaquetstrasse, einer großstädtischen Straße mit dörflicher Überschaubarkeit in Berlin Wedding, wird von einem Wohnhaus mit Gewerbeanteil geschlossen. Die umgebenen Blockrandbebauungen des Grundstückes stehen für eine dichte Bauweise mit geschlossenen Straßenzügen. Städtebaulich vervollständigt der Baukörper aus ortstypischem Vorderhaus und Seitenflügel, das den Straßenraum und das rückseitige Gelände des Hofes faßt, die Stadtstruktur. Straßenseitig befinden sich das Fragment einer Zufahrt zu den ehemaligen Fabrikhallen der Osram Höfe, die inzwischen zu einem vielfältig genutzten Geschäfts- und Gewerbezentrum konvertiert sind. Zugunsten einer Ablesbarkeit der Historie und des räumlichen Bezugs zu den stillgelegten Produktionshallen, wird das Bestandsportal in den Neubau integriert. Damit werden nicht nur die verschiedenen Nutzungsphasen des Standortes aufgezeigt, sondern auch ein zu den angrenzenden Gründerzeithäusern vergleichsweise großzügiger, industrieller Maßstab für die Gliederung des Haues in Anspruch genommen.

Bei Zugang, Erschließung und Organisation richtet sich der Zweispänner mit asymmetrischem Kern im Wesentlichen nach den existierenden Bedingungen und sinnvollen Wohnungszuschnitten. Aus der geometrischen Vermittlung zwischen dem symmetrischen Straßenfragment und dem dahinterliegenden gestaffelten Volumen ergeben sich die räumlichen Themen des Hauses. Während in der kompakten Wohnung des Vorderhauses die zentrale Zirkulationsfläche minimiert ist, sind die Funktionen der langen Wohnung des Seitenflügels ähnlich einer Enfilade angeordnet.

Zugunsten der notwendigen Flexibilisierung der Grundrisse sind verschiedene Aufteilungen und unterschiedliche Bäderkonstellationen bei gleicher Schachtführung geplant. Hieraus resultiert eine adaptierbare Raumeinteilung, die auf individuelle Bedürfnisse hinsichtlich Zimmeranzahl und dem jeweiligen Offenheitsgrad reagieren kann.

Die südwestliche Orientierung des Hauses zur Straße führt zu einer Verlagerung der privaten Räume zum ruhigen Hof, während die gemeinschaftlichen Räume mittels einer großflächig verglasten Fassadenschicht den öffentlichen Raum beleben. Die alternierenden Aussenräume von logenartigen Balkonen mit übergroßen flachen festverglasten Fenstern werden nicht nur der Nachfrage von privaten, innerstädtischen Außenräumen gerecht, sondern stärken auch den unmittelbaren Kontakt zur Wohnstraße. Zugunsten maximaler Ungestörtheit sind die Terrassen im und auf dem Dach ebenfalls versetzt angeordnet. Die Aufenthaltsqualitäten an der Schnittstelle zwischen Außen und Innen die Basis einer plastischen Fassade, die zusammen mit dem backsteinernen Bestandsbogen die Adresse und damit die Identität des Hauses prägen. Zur Homogenisierung von Alt und Neu und einer kontextuellen Integration werden sind die Fassadenfarben an die des historischen Wandfragmentes angelehnt.

Adresse: Malplaquetstraße 19, 13347 Berlin
Bauherr: Privat
Programm: Gewerbe, Wohnen
Leistungsphasen: 1-9
Planung: 2014-2018
Projektteam: Michael Albertshofer, Ole Hallier, Sebastian Witzke
Tragwerksplanung: ifb frohloff staffa kühl ecker