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104 Maximilian Kolbe Kirche

Das architektonische Konzept zur Konversion des Kirchenbaus stellt die Bewahrung des Denkmalwertes in den Vordergrund. Die Implementierung der erforderlichen Raumstrukturen zur adäquaten Unterbringung der neuen sozialen Funktionen erfolgt unter der Prämisse dieses Leitgedankens. Priorität hat die Erhaltung und Erlebbarkeit des spezifischen Charakters sowohl der äußeren als auch der inneren Kubatur des Sakralbaus mit seiner turmartigen Sichtbetonspirale. Demzufolge werden die neuen baulichen Anforderungen aus Gründen sowohl des Denkmalschutzes, als auch der wirtschaftlichen Effizienz, durch wenige zurückhaltende und präzise Eingriffe realisiert.

Die ursprüngliche Bestimmung, Proportionierung und Introversion des Sakralbaus legen die Erweiterung zu einer sozialen Versorgungs- und Begegnungsstätte nahe. Anders als traditionelle Kirchenbauten, erleichtert hier die moderne asymmetrische Raumidee des Kirchenbaus den Wechsel von stiller zu offener Kommunikation und befördert das kulturübergreifende Zusammengehörigkeitsgefühl der zukünftigen Nutzer. Dieser Raumidee folgend werden die sakrale und die säkulare Funktion je einem der zwei verschieden geometrischen Prinzipien zugeordnet: Während sich das eingefügte Oval der christlichen Kapelle als Andachtsraum auf die prägende Parabel der Grundrissfigur bezieht, entwickelt sich der Gebäudeteil der profanen Einrichtungen kompakt organisiert entlang der trapezförmigen Bestandskontur. Die allseitige Freistellung der raumbildenden und identitätsstiftenden Betonspirale spielt in der Hierarchie der Entwurfsentscheidungen eine wesentliche Rolle.

Der vielschichtige Funktionskatalog des Einbaus für soziale Einrichtungen wird dieser Idee folgend von einer vorgelagerten, unbeheizten Erschließungszone zusammengebunden, welcher, als Schalt- und Schnittstelle zwischen alter und neuer Nutzung, eine besondere Bedeutung zukommt. Zwischen dieser neuen Raumkante und der Kapellenfigur entsteht, unter der alten ansteigenden Holzdecke, ein polygonaler Platz – die Plaza. Hier etabliert sich ein neuer öffentlicher (Innen)Raum, welcher von den feingliedrigen Oberflächen der Einbauten, vor allem aber von den prägnanten Materialien der bestehenden Mauerwerks- und Betonwänden, geprägt ist. An diesem Ort der Begegnung und des Austausches wird die ursprüngliche spirituelle Atmosphäre der Kirche erfahrbar und ein selbstverständliches Nebeneinander von sakralen und weltlichen Funktionen ermöglicht.

Unser Entwurf positioniert sich im Abgleich zwischen der denkmalgeschützen Geometrie des einzigartigen Innenraumes und der prägnanten Außenfigur als städtebauliches Merkzeichen. Er bewahrt somit die charakteristischen Merkmale von Innen- und Außenraum gleichermaßen. Die differenzierten Raumformen des Bauwerks werden zum Generator der räumlichen Adaption. Der eingehängte Kapellenraum, der parallel zur konvexen Betonwand verläuft, wird trotz seiner subtilen Abgrenzung als Teil des Großraumes wahrgenommen. Die Raumgeometrie konstruiert sich aus zwei Ellipsen, welche an den Scheitelpunkten zu einem Oval verschmelzen, das den Lichtkegel des Kirchenturmes integriert. Die säkularen Funktionen sind als geometrisch rationale Vier- und Fünfecke parallel oder lotrecht an den Bestandswänden ausgerichtet.

Adresse: Krieterstraße 9, 21109 Hamburg
Bauherr: Malteser Hamburg
Programm: Sozialpädagogische Einrichtungen Leistungsphasen: 1-2
Planung: 2016
Projektteam: Ole Hallier, Malte Heinze
Brandschutz: arup Ingenieure
Lichtplanung: Fischer & Partner
Tragwerksplanung: ifb frohloff staffa kühl ecker